«Gsund si, zwäg si mitenand, das isch üses starche Band»

Die Primarschule Ermatingen führte vom 27. September bis 1. Oktober 2021 bei strahlendem Herbstwetter eine vielfältige, bewegte Sonderwoche zum Thema „gsund und zwäg“ durch, bereichert durch Workshops von professionellen Tanz-, Fitness- und Selbstverteidigungs-Coaches, zahlreichen Anlässen zum Thema und einem vom Lehrerteam kreierten Jahreslied, wo die Vorteile und das Mühsame von gesunder Ernährung und Bewegung gerappt, gepfiffen und besungen werden konnte. Bewegung und Ernährung gemeinsam erforschen und Neues entdecken, das stand im Fokus. Und neue Zugänge zu einem mentalen Körperbewusstsein: „Wenn ihr s‘fühled, gseht‘s schön us!“

„ Zäme stah, üs hälfe, stütze, gsund si hilft vor Vire schütze“

2021_10_Sonderwoche_SkateboardBewusst hat sich die Primarschule Ermatingen für ein Thema entschieden, das in diesen bewegten Zeiten zentral ist: physische und psychische Gesundheit gemeinsam schützen und stützen. Schon der Auftakt in jeden Tag dieser Sonderwoche wurde zum Gemeinschaftserlebnis: Die älteren Schülerinnen und Schüler stählten ihre Abwehrkräfte durch ein Bad im See und die jüngeren versammelten sich draussen zum Jahreslied, erzählten von Highlights und Erlebnissen, bevor alle buchstäblich in alle Richtungen stoben, bewegt, gesund und zwäg.. Entsprechend den geltenden Schutzkonzepten gab es in Innenräumen keine Durchmischung ausserhalb der Stufen und Erwachsene trugen durchgehend im Kontakt Masken.

„Schwitze und de Körper fühle, müed kaputt und fascht scho hüle. Ränne bis du bisch bachnass, aber s’macht au richtig Spass“

Eine Bereicherung stellten die Workshops der Leitenden der Dachorganisation Futuro dar. Die Schwerpunkte waren Tanz, Fitness und Selbstverteidigung, mit dem Ziel, allen Kindern neue Zugänge zu anderen Bewegungsarten zu ermöglichen, auch die Begegnung mit Menschen, die in ihren Spezialgebieten aufblühen und als Vorbildfunktion nachhaltig wirken.
So waren im Fitnesskurs auch Anweisungen zu taktisch geschicktem Bewegen das Thema, was vielfältig eingeübt wurde.
Der Tanz-Coach vermittelte eindrücklich, wie die Tanzform Hip-Hop als Ausdruck sozialen Unmuts entstanden ist. Negative Gefühle werden in der Gruppe und sublimiert in Tanzformen ausgedrückt, dadurch verarbeitet. Hip-Hop als Tanzform ist improvisationsfreudig und vor allem kommunikativ. So wurden zu Beginn wichtige gruppendynamische Prozesse ausgelöst und versiert vom Coach aufgefangen. Von Aussen sah man, was in den Köpfen geschieht, wenn es um Entscheidungsprozesse geht, wo Individuen sich in ein Gruppenziel integrieren müssen. Und dann kam das, worauf sich alle gefreut hatten: Tanzen, immer mit der Frage: wie kann ich mich bewegen, wehren, Wut herauslassen, Arten des Begrüssens entdecken, Raum nutzen, mich spüren und ausdrücken?
Am Ende stellten sich alle im Kreis auf. Wer mochte, ging hinein und tanzte sich frei. Der kathartische Effekt war sichtbar, spürbar: nicht zuletzt initiiert durch die Worte des Leiters, der in vielen Drittweltländern mit Kindern und Jugendlichen solche Workshops durchgeführt hat:
„S‘wichtigscht isch, ihr tüend‘s fühle. Wenn’s nöd klappt, isch nöd schlimm. Es söll eifach schön usgseh. Und wenn ihr s’fühled, gseht‘s schön us.“

Der Selbstverteidigungs-Coach baute souverän einzelne Elemente der Selbstverteidigung auf, liess alle nach Actionphasen gemeinsam tief in sich hinein atmen und zu sich finden. Der Coach war zudem als charismatischer, friedfertiger Mensch, scheinbar vollkommen mit sich und der Natur verbunden, für alle ein Erlebnis: er kommunizierte spontan über Pfiffe mit den Rotmilanen am Ermatinger Himmel und begeisterte die Schülerinnen und Schüler mit atemberaubenden Salti aus dem Stand. Authentische Vorbilder wirken nachhaltig.

2021_10_Sonderwoche_Hund„Gsund si, zwäg si s’ganze Jahr, das macht Spass, das isch doch klar“

Wir Erwachsene staunen manchmal über die unerschöpfliche Energie von Kindern. In diesen Tagen wurden diese Energien in höchstem Masse gefördert und in vielfältigen Angeboten nützliche Kompetenzen erprobt. Manch einer und eine hat Neues entdeckt: Varianten im Essen und Bewegen in der Gemeinschaft ausprobieren; fühlen, was es alles gibt und was alles Spass machen kann. Das war immer wieder zu beobachten. Auch ein „Tapfersein“, wenn es mal mühsam ist, eiskalt im See, echli gruusig schmeckt, weil andere da mithalten. Und manchmal war es wahrlich auch ein Fitnesstraining für Erwachsenennerven und Kinderstimmbänder, so laut war die Begeisterung allerorten.

Einige Highlights aus der Sonderwoche sollen nicht unerwähnt bleiben: Das erwähnte tägliche Bad im See für das Stählen der Gesundheit, ein Thearpiehund als seelischer Begleiter und Spiegel der Gefühle, beim Fischer das Verarbeiten frischer Bodensee-Fische miterleben, in „The Hall“ Ermatingen oder in der Kletterhalle Tägerwilen geschicktes Klettern und Skateboardskills entwickeln, gsunde und herzige Znüni in Tierformen, aber auch leckergesunde Desserts bereiten, Düfte erforschen, Kräutersalz herstellen. Immer wieder gab es Momente des Herunterfahrens, Durchatmens, wie zum Beispiel mit einem Film, der die Schulwege von Kindern verschiedenster Kulturen dokumentiert und tief beeindruckt. Weiter wurde die Ernährungspyramide vorgestellt, Informationen zu gesundem Essen und Bewegen recherchiert und Vorträge dazu vorbereitet. Auf dem Programm standen auch ein Orientierungslauf, je nach Stufe im Wald oder als Stern-OL vom Schulhaus aus, die Teilnahme am Clean Up und Inputs zum Umgang mit Müll, Massagegeräte herstellen, sich gegenseitig verwöhnen, beim Landwirt Äpfel sammeln und selbst Moscht herstellen und vieles mehr.
Die Gänge des Schulhauses wurden mit selbst kreierten Gesichtern in der Technik von Giuseppe Arcimboldo geschmückt: Obstnase und Salathaar grüssen gesund und lustig von oben herab.
Und Ende Woche hatte sich der Jahresliedohrwurm überall eingenistete und es pfiff, summte und rappte durch die Schulhausgänge: „Mängmol müehsam isch es scho, nomal springe: go go go!“ Das „starche Band“ begleitet jetzt alle gemeinsam durch das Schuljahr hindurch.

Sonderwoche 2021 Morgenschwimmen
2021_10_Sonderwoche_Skateboard
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2021_10_Sonderwoche_Clean_Up_01
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Fotos: Roger Zimmermann, Schulleiter Primarschule Ermatingen, Jeanine Ariana,
Klassenlehrerin Primarschule Ermatingen, Daniel Kirner, Klassenlehrer Primarschule Ermatingen
Text: Jeanine Ariana, Klassenlehrerin Primarschule Ermatingen, Kulturbeauftragte der Schule